Der Wunsch jemand anderes zu sein, ist eine Verschwendung dessen, was du bist.
Kurt Cobain
Kurt Cobain
ADHS ist keine „Modediagnose“, sondern eine anerkannte neurobiologische Störung, deren Symptome durch jahrhundertelange Forschung immer differenzierter und definierbarer wurden. Die Ursachen für die deutlich ansteigende Zahl der ADHS-Diagnosen liegen im Wandel des gesellschaftlichen und medizinischen Verständnisses, der Entwicklung der Diagnosekriterien, Fortschritten in Forschung und Bewusstsein sowie gesellschaftlichen Veränderungen. Durch die Sensibilisierung auf diesem Gebiet finden Betroffene heutzutage mehr Gehör und Unterstützung.
Die Ursachen für die Entstehung von ADHS sind bis heute nicht vollständig geklärt. Bisherige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass neurobiologische Veränderungen im Gehirn eine zentrale Rolle spielen. Studien legen zudem nahe, dass ADHS ein komplexes Ursachengefüge umfasst, das sowohl genetische, psychische als auch umweltbedingte bzw. psychosoziale Risikofaktoren beinhaltet. Die genetischen Faktoren für die Entstehung liegen bei etwa 80 %. ADHS ist somit eine neurologische Entwicklungsstörung, die die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem beeinträchtigt.
Das Gehirn von Personen mit ADHS funktioniert anders als ein Gehirn ohne ADHS. Es lässt sich mit einem Rennauto vergleichen, das über eine außergewöhnliche Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit verfügt, die das durchschnittliche Maß deutlich übersteigt. Die Herausforderung besteht darin, dass die „Bremsen“ dieses „Rennauto-Gehirns“ mit denen eines Fahrrades vergleichbar sind. Personen mit ADHS haben somit meist Schwierigkeiten, die Energie und Schnelligkeit ihres Gehirns zu kontrollieren.
Der Begriff „Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung“ ist daher irreführend, denn Betroffene leiden nicht unter einem Defizit, sondern an einem Übermaß an Aufmerksamkeit. Jede Sekunde stürmen über 1.000.000 äußere Reize auf unser Gehirn ein. Bei einem ADHS-Gehirn sind jedoch die für die Verarbeitung nötigen Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin unausgeglichen. Das führt dazu, dass Wichtiges von Unwichtigem schwer zu unterscheiden ist. Die Folge ist eine permanente Reizüberflutung mit möglichen Schwierigkeiten bei Konzentration, Selbststeuerung und Handlungsplanung.
Aus diesem Grund wird mitunter eine Behandlung mit stimulierenden Medikamenten empfohlen, die das Zusammenspiel der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin im Gehirn unterstützen. (Eine medikamentöse Behandlung kann ausschließlich durch qualifiziertes Fachpersonal durchgeführt werden.)
ADHS ist eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Etwa 2–6 % dieser Altersgruppe sind betroffen und ADHS kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Sie beginnt meist im Kindesalter und zeichnet sich vor allem bei Erwachsenen durch drei Hauptsymptome aus:
Es gibt drei Erscheinungsformen:
Die Ausprägung der Symptome – sowohl die Herausforderungen als auch die Möglichkeiten – variiert von Person zu Person stark. Sie sind abhängig davon, zu welchem ADHS-Typ die betroffene Person gehört. Bestimmte Merkmale können fehlen, während zusätzlich nicht genannte auftreten können. Die Rahmenbedingungen entscheiden oft, wie sehr die Potenziale zur Geltung kommen. Demzufolge ist das Erscheinungsbild sehr individuell.
Trotz der Herausforderungen steht eine Vielzahl von Möglichkeiten und Stärken für Betroffene zur Verfügung, die sie für sich als Superkräfte nutzen können:
Die Diagnose erfolgt durch eine ausführliche Anamnese, klinische Gespräche, Verhaltensbeobachtungen sowie standardisierte Fragebögen und Tests. Die Symptome müssen in mehreren Lebensbereichen über mindestens sechs Monate auftreten und das Leben der Betroffenen deutlich beeinträchtigen.
Eine Diagnose darf ausschließlich von Fachärztinnen und Fachärzten gestellt werden – hierzu gehören Spezialist:innen für Psychiatrie, Psychotherapie, Neurologie und psychosomatische Medizin sowie ärztliche oder psychologische Psychotherapeut:innen.
ADHS ist häufig mit Komorbiditäten verbunden. Daher treten bei Betroffenen zusätzliche psychische oder körperliche Erkrankungen häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Dies wird einerseits durch die neurobiologischen Grundlagen von ADHS erklärt, andererseits durch psychosoziale Faktoren. Es kann zu sich gegenseitig verstärkenden Wechselwirkungen zwischen ADHS-Symptomatik und Lebensumständen kommen.
Zu den häufigsten Komorbiditäten gehören:
Die Komorbiditäten sind ein zentraler Grund für die hohe individuelle Krankheitslast und erhöhen den Druck für eine differenzierte Diagnostik und Behandlung von ADHS.
Das Behandlungskonzept bei ADHS ist multimodal und umfasst:
Durch die Umweltabhängigkeit wird VAST des Öfteren mit ADHS verwechselt oder gleichgesetzt, da sich die Symptome stark ähneln.
Im Bereich der Aufmerksamkeitssteuerung, Reizverarbeitung, innerer Unruhe und Selbstregulation sind gemeinsame Merkmale zu finden.
Die Symptome sind bei beiden nicht konstant, sondern variieren je nach Situation, Tageszeit und Anforderungen.
Bei VAST sind insbesondere äußere Umwelteinflüsse wie Stress, Reizüberflutung, soziale Anforderungen und Veränderungen im Alltag relevant – Betroffene reagieren besonders empfindlich auf ihre Umgebung. Im Vergleich dazu sind bei ADHS Umweltfaktoren eher verstärkend, aber nicht ursächlich. Die Störung besteht auch ohne spezifische Auslöser weiter und ist primär genetisch und neurobiologisch bedingt.